Wein der Woche

1998 Puligny-Montrachet, Domaine Jean Chartron, Burgund

Geschrieben von: August F. Winkler

1998 Puligny-Montrachet, Domaine Jean Chartron, Burgund

Burgunderweine, so ist oft zu hören, seien überparfümiert – schon richtig, so mancher Pinot noir tritt auf wie ein Feldmarschall von 1871: pompös, stolzierend, mit Lametta aufgeputzt. Gute rote Burgunder sind stets eine Begegnung mit dem Überfluß, aber sie faszinieren natürlich nicht durch Übertreibung, sondern dank ihres dichten Fruchtbuketts und der samtigen Tiefe. Kein anderer Rotwein verfügt über diese Kombination von Kraft, Finesse und Geschmeidigkeit, jene mitunter schon unkeusch zu nennende Sinnlichkeit.

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2012 Riesling Merler Königslay GG, Albert Kallfelz, Mosel

Geschrieben von: August F. Winkler

Kallfelz PortraetDer am 2. November 2012 an einem sehr steilen Hang (68 Prozent durchschnittliche Neigung) gelesene Wein ist kein zartes Möselchen, das man gerne beschützend in den Arm nehmen möchte, sondern ein Mosel! Die selektiv per Hand geernteten Trauben – darunter zehn Prozent gesund zu Rosinen eingetrocknete Beeren - ergaben einen Fruchtzuckerwert von beachtlichen 108 Grad Öchsle und einen fertigen Wein mit nicht minder beachtlichen 13 Prozent Alkohol, 23,6 Gramm zuckerfreiem Extrakt sowie neun Gramm Restzucker (pro Liter) bei 7,1 Gramm Säure. Nach langer Gärzeit bis 2. Mai, anschließendem sechswöchigem Lager auf der Feinhefe und einmaliger Filtration erfolgte Ende Juni 2013 die Flaschenfüllung. Laut Auskunft des Kellermeisters sind dem Wein durch eine sanfte malolaktische Gärung cirka fünf Prozent der etwas harschen Äpfelsäure in etwa drei Prozent weichere Milchsäure umgewandelt worden, was einer schmeckbaren Reduzierung der Gesamtsäure um rund zwei Gramm entspricht.

Kallgfelz 12GGGußeiserne Rieslingtrinker werden jede Entsäuerung, und mag die noch so behutsam vollzogen worden sein, ablehnen. Sie akzeptieren, ja wünschen sich eine starke jugendliche Säure und lassen den Wein entsprechend lange Jahre reifen, bis er seine innere Balance gefunden hat. Für Winzer, Händler und auch notorische Jungweintrinker stellt sich das Thema naturgemäß anders dar, nämlich so, daß sich der Wein schon früh rundet. Tatsächlich hat die Umwandlung eines Teils der Äpfel- in die Milchsäure dem Wein etwas an Rasse genommen, ihn jedoch cremiger und somit trinkfertiger gemacht.

Kallfelz KoeingslayDer kompakt gebaute Wein erfreut die Nase durch ein feines, ziseliertes Bukett mit Anteilen von Pfirsich, Apfel und weißer Johannisbeere nebst Blüten, etwas Pampelmuse sowie ein bißchen Honigmelone. Der Fruchtkörper ist dicht gewoben, klar und reintönig von einem starken Riesling kündend. Die mineralische Note ist markant, die Mitgift des Schiefers. Die Königslay-Terrassen sind das Kleinod im Weingut, laut Albert Kallfelz „unsere kleinste und edelste Lage, zu 85 Prozent in unserem Besitz“; dank Felssporne, die vor Wind schützen, entsteht ein mediterranes Mikroklima. Kurzum: Der als Großes Gewächs präsentierte Wein läßt sich schon jetzt mit Genuß trinken, sei es im Solo oder, um ein Beispiel zu nennen, zu einem Süßwasserfisch in Buttersauce; und sein Preis um die 16 Euro ist wohlfeil (Weingut Albert Kallfelz, Zell-Merl, www.kallfelz.de).
 

1990 Château Mouton-Rothschild, Pauillac

Geschrieben von: August F. Winkler

1990 Château Mouton-Rothschild, Pauillac

Vorbemerkung: Der Wein irritiert die Gemeinde von seiner Jugend an. Während Latour, Montrose, und Margaux, um einige Asse heraus zu heben, als 90er von Anfang an durch die dem Jahrgang eigene Paarung von Kraft und Geschmeidigkeit begeisterten und bis heute hohen Trinkgenuß bieten, schied der Mouton die Geister und er tut es bis heute. Serena Sutcliffe, Weinchefin von Sotheby’s, rühmte den Wein als reich, kraftvoll und seidig, wohingegen Robert M. Parker ihn als hart, mager, karg und streng beschrieb, ihm Konzentration absprach sowie die Chance, jemals in Harmonie zu erblühen. Ähnlich differenziert fallen die Verkostungsnotizen anderer Weingrößen aus. Es kursiert sogar die Version, von diesem Jahrgang gebe es unterschiedliche Füllungen – was vom Château natürlich heftig dementiert wird. Tatsache ist, daß der 1990er mit reichlich, vielleicht sogar überreichlich Tannin auf die Welt kam und damit so manchen Verkoster verwirrte, auch überforderte.

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1972 Pouilly-Fuissé Cuvée Hors Classe, Domaine Ferret, Maconnais

Geschrieben von: August F. Winkler

1972 Pouilly-Fuissé Cuvée Hors Classe, Domaine Ferret, Maconnais

Pouilly Fuisse_72Es muß 1986, gewesen sein, ganz genau weiß ich das nicht mehr, als ich die 1840 gegründete Domaine J.-A. Ferret in Fuissé besuchte, animiert von Jo Schreindorfer, dem damaligen Eigner von „DC“ (Domaines & Châteaux), einem Weinhändler, der auch die großen Gewächse von Leroy in seinem Portefeuille führte. Schreindorfer hatte das Chardonnay-Juwel entdeckt und ich folgte ihm nach einer kurzen Verkostung im Nu, was seine Begeisterung für die charaktervollen Weißweine anbelangte. Wir tranken quer durch die Fässer und Flaschen. Jeanne Ferret, damals um die 80 Jahre alt, rüstig und hellwach, hatte die Gläser stets großzügig eingeschenkt, denn wir sollten, wie sie weise lächelnd sagte, trinken, nicht nippen.

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1982 Château Figeac Jéroboam, St. Emilion

Geschrieben von: August F. Winkler

1982 Château Figeac Jéroboam, St. Emilion
 
Der Wein ist wie sein Herr, im 1982er paart sich die Warmherzigkeit des St. Emilion mit der Noblesse eines Médoc. Thierry Manoncourt, auch der Gentlemanwinzer von St. Emilion genannt, im Spätsommer 2010 im Alter von 93 Jahren gestorben, hatte seinen 82er geliebt - wie auch den stolzen 98er, den eleganten 90er, den brillanten 1970er, den exzellenten 1959er und die Feinen von 1964, 1961, 1955, 1953. Stolz war er zudem auf den 1974er, der exemplarisch zeigte, wie viel Gutes sich selbst aus einem so schwachen Jahr gewinnen läßt. Über allen thront freilich der 1949er, ein Gigant, der heute noch durch seine köstliche Süße und das delikate Mix aus Zedernholz, Pflaume, schwarzem Trüffel, Leder, kandierten Früchten und Bitterschokolade nebst einem aparten Hauch von Minze begeistert.

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