Wein der Woche

1982 Château Figeac Jéroboam, St. Emilion

Geschrieben von: August F. Winkler

1982 Château Figeac Jéroboam, St. Emilion
 
Der Wein ist wie sein Herr, im 1982er paart sich die Warmherzigkeit des St. Emilion mit der Noblesse eines Médoc. Thierry Manoncourt, auch der Gentlemanwinzer von St. Emilion genannt, im Spätsommer 2010 im Alter von 93 Jahren gestorben, hatte seinen 82er geliebt - wie auch den stolzen 98er, den eleganten 90er, den brillanten 1970er, den exzellenten 1959er und die Feinen von 1964, 1961, 1955, 1953. Stolz war er zudem auf den 1974er, der exemplarisch zeigte, wie viel Gutes sich selbst aus einem so schwachen Jahr gewinnen läßt. Über allen thront freilich der 1949er, ein Gigant, der heute noch durch seine köstliche Süße und das delikate Mix aus Zedernholz, Pflaume, schwarzem Trüffel, Leder, kandierten Früchten und Bitterschokolade nebst einem aparten Hauch von Minze begeistert.

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2012 Roter Veltliner Reisenthal, Weingut Mantlerhof

Geschrieben von: August F. Winkler

2012 Roter Veltliner Reisenthal, Weingut Mantlerhof

Der alte Josef Mantler, von Freunden nur der Mantler-Sepp genannt, glaubte wie kein Zweiter an den Wert des Roten Veltliners. Er, der heute als Bewahrer, ja Retter dieser uralten Sorte gilt, hat ihn geliebt, zwischendurch freilich auch verflucht, denn die rare, ebenso anspruchsvolle wie sensible Rebe läßt sich nicht disziplinieren – sie wächst wie sie es will und ist schon deshalb eine große Herausforderung für jeden Winzer. Meine erste Begegnung mit dem nach außenhin schroff wirkenden, doch herzensgutem Mann hatte ich in den Siebzigern. Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau, der damals gerade Schloß Vollrads übernommen hatte, war dabei. Wir saßen im Weinkeller, unterhalb der Lößterrassen, tranken Weine, darunter prachtvolle ältere Jahrgänge, als der Mantler-Sepp plötzlich sagte: „Wißt’s, was mir an Euch so gefällt? Daß Ihr nicht so goschert seid.“ Goschert läßt sich ungefähr mit großmäulig übersetzen. „Der Rote“, so hat mir dieser große alte Mann des Weins noch kurz vor seinem Tod im Jahre 1987 gesagt, “der Rote ist wie ein rassiges, doch launisches Weib“.

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2012 Riesling Morstein trocken, Weingut Dreissigacker

Geschrieben von: August F. Winkler

2012 Riesling Morstein trocken, Weingut Dreissigacker

Über die Vorzüge eines Rieslings, notabene eines von bester Herkunft, muß nicht mehr langmächtig parliert werden. Den weltweiten Erfolg begründen längst die hochwertigen Gewächse von Rhein und Mosel, ergänzt durch die konsequent trocken ausgebauten, markanten bis wuchtig strukturierten „Smaragde“ der Wachauer Spitzenwinzer wie Emmerich Knoll, FX Pichler und Franz Hirtzberger. Alle diese Weine genießen international den Status als „spotlight of fashion“. Das einflußreiche US-Magazin „Time“ berichtet über einen veritablen Riesling-Boom in der Spitzengastronomie von New York bis San Francisco; selbst in den luxuriösen Herbergen auf Hawai ist deutscher Riesling in den Weinkarten prominent vertreten. Geradezu hollywoodesque schwärmt der „Wine Spectator“ von einem „Goldenen Zeitalter für den deutschen Riesling“. Ja, die Rebsorte ist zur globalen Pretiose geworden, und Jancis Robinson, die britische Weinjournalistin, konstatiert freudig, daß der Riesling international noch nie so beliebt gewesen sei wie heute.

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2012 Neuburger, Weingut Feiler-Artinger, Rust

Geschrieben von: August F. Winkler

2012 Neuburger, Weingut Feiler-Artinger, Rust

Es ist schon so: Auch beim Wein gibt es Moden. Während Riesling, Sauvignon blanc sowie zunehmend der Grüne Veltliner internationale Triumphe feiern und der Chardonnay aus burgundischer Herkunft, ob mineralisch-kühl als Chablis oder voll würziger Kraft von der Côte d’Or, unverändert eine weiße Macht darstellt, blüht der Neuburger im Verborgenen: In Österreich, seiner Heimat, wächst er gerade mal auf bescheidenen 150 Hektar. Dennoch sollte man nicht von einem Schattendasein sprechen, dafür verfügt diese Rebsorte, so sie von einem ernsthaften Winzer mit dem nötigen Respekt gezogen wird, über zu viele Talente. Das beweisen Neuburger von Gütern wie Franz Hirtzberger, Karl Lagler und Johann Donabaum (alle Wachau), von Karl Alphart aus der Thermenregion und speziell von Sepp Mantler aus dem Kremstal.

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2009 Riesling Turmberg, Weingut Robert Weil

Geschrieben von: August F. Winkler

2009 Riesling Turmberg, Weingut Robert Weil

Jeder große Wein, ob Solo getrunken oder zum Essen, erschließt dem Trinker eine sinnliche Welt, die leise Zärtlichkeit ebenso umfaßt wie gewaltige Leidenschaft – und spannungsvollen Genuß, wenn es ein Riesling von der Ia-Lage Turmberg aus einem exzellenten Jahr ist. Schon der erste tiefe Nasenzug kündet von strahlender Eleganz. Das fein ziselierte Bukett enthält Töne von gelben Früchten wie vor allem Apfel, flankiert von Rosinen, Mandelblüten und belebender Zitrusfrucht. Geschmacklich wird der Wein mit dem schlanken, doch muskulösen Fruchtkörper von einer suggestiv wirkenden Traubigkeit geprägt, die sich, ergänzt um eine zarte cremige Note, auch im langen Nachklang findet. Das bestimmende Merkmal in Duft wie Geschmack ist eine kühle Mineralität von allerfeinstem Rieslingschliff. Das ist ein Wein von ernsthaftem Charakter, der langsam seinem Höhepunkt entgegen reift.

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