Wein der Woche

1988 Château Mouton-Rothschild, Pauillac

Geschrieben von: August F. Winkler

1988 Château Mouton-Rothschild, Pauillac

Der Wein hat die Trinker über die Jahre hinweg erfreut und enttäuscht, verwirrt und gedemütigt und sie gelehrt, wie problematisch frühe Urteile über einen brandjungen Wein sein können. Nicht wenige Rezensenten verkannten nämlich im Schatten des als Jahrhundertwein gerühmten 1989ers die klassische Statur des 1988ers. Sie schrieben von dünnem Gerüst und prophezeiten ein frühes Austrocknen – selbst Robert M. Parker hat den Wein unterschätzt, dies jedoch später eingeräumt und, völlig zu recht, konstatiert, der 1988er Mouton sei dem 1989er und 1990er überlegen.

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Tio Pepe Fino en Rama, Sherry

Geschrieben von: August F. Winkler

Tio Pepe Fino en Rama, Sherry

Sherry ist keine Erfindung der Natur, er ist stilisierter Wein. Die Natur liefert den Grundstoff, aber erst der Mensch macht daraus den Sherry. Dazu bedarf es eines komplexen Verfahrens, das im Zufälligen ebenso wurzelt wie in der Neugierde und im Spieltrieb des Menschen, jenen zwei Eigenschaften, ohne die wir vermutlich heute noch in Höhlen hausen und vom Erdboden essen würden. So waren denn Jahrhunderte nötig, um aus einem von Haus aus banalen und mehrheitlich trocken oder rustikal süßem Südwein ein faszinierendes, zugleich originäres Getränk zu machen, von dem Thomas S. Elliot (1888-1965), der amerikanische Lyriker und Dramatiker mit englischen Wurzeln, unwiderleglich sagte: „Alles, was ein zivilisierter Mensch braucht, sind ein oder zwei Glas Sherry vor dem Essen.“

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1983 Château Margaux, Margaux

Geschrieben von: August F. Winkler

1983 Château Margaux, Margaux

Die Zeit bleibt stehen, wenn man einen großen Wein trinkt. Das habe ich jetzt wieder beim 1983er Château Margaux erlebt. Der Wein stammte aus dem Keller des Linzer Sammlers Dr. Peter Baumann, und er begleitete aufs Artigste ein von Rudi Obauer (Restaurant Obauer in Werfen) mit Bravour gebratenes Ochsenkotelette. Der Wein schmuste sozusagen mit der Sauce, wiewohl die aus einem Burgunderwein gerührt war. Daß es dennoch zu dieser genußvollen Harmonie zwischen Bordeaux & Burgund kam, liegt am Wesen des Margaux, in dem sich ein männliches und weibliches Gen auf unnachahmliche Weise verschmelzen. Michael Broadbent, mein langjähriger Nachbar bei vielen Weinproben, hat solchen Typus mal bildhaft schön als „Eisenfaust in einem Samthandschuh“ beschrieben – wohl wahr!

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1959 Château Gazin, Pomerol

Geschrieben von: August F. Winkler

1959 Château Gazin, Pomerol
Ein großer Rotwein ist jener, der altert, ohne alt zu werden, einer, bei dem sich das Temperament der Jugend im Laufe der Zeit ins Vielschichtige gewandelt hat. Alles ursprünglich Laute und Raue hat sich sozusagen vergeistigt. Man fragt sich, welche tertiären Aromen werden auftauchen? Wie hat sich das Tannin entwickelt? Ist noch Frucht vorhanden? Und über allem thront bei älteren Gewächsen wie ein Damoklesschwert vor dem ersten Schluck die bange, Adrenalin freisetzende Frage, ob der Wein dich beglückt oder ob die Barmherzigkeit des Liebhabers in dem Sinne bemüht werden muß, daß man sagt „Naja, für sein Alter…“

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1985 Château d’Yquem, Sauternes

Geschrieben von: August F. Winkler

1985 Château d’Yquem, Sauternes

Das helle Goldgelb funkelt, die Nase sendet erfreuliche Noten ans Gehirn à la Pfirsich, Vanille, Kräuter, Haselnuß, Rosenholz, Orangenblüten, Honig. Das Bukett ist so komplex geschichtet wie der dichte Fruchtkörper mit seiner öligen Geschmeidigkeit. Die Süße ist üppig, aber nicht so karamellig und tief gewoben wie bei Yquems aus besonders exzellenten Jahrgängen mit viel Botrytis. Dennoch zählt der 1985 zu recht zu den sehr guten Jahrgängen. www.chateau-yquem.fr

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Wein der Woche

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