2005 Meursault Poruzot 1er Cru, Domaine Jobard-Morey, Burgund

2005 Meursault Poruzot 1er Cru, Domaine Jobard-Morey, Burgund

Ein profunder Wein aus sehr gutem Jahr. Der farblich in hellem Goldgelb glänzende Chardonnay öffnet sich im Glas und verströmt ein nobles, zartgewürzig unterlegtes Bukett mit Noten von gelben Früchten (Steinobst, Mango) nebst Mandelblüte, etwas Haselnuß und einem aparten Hauch von Honig. Der dicht gewobene Körper ist kraftvoll, dabei ziseliert und von schöner Harmonie; das feine Säurespiel sorgt für Temperament. Geschmacklich stimmt der Wein mit dem Bukett überein, der kompakte Körper ist perfekt gerundet, von geschmeidiger Textur und lange anhaltendem Nachklang. Welch ein kraftvoller und gleichzeitig ziselierter Körper – und ich füge hinzu: welch eine Seele! Kurzum: so liebe ich den Chardonnay, dieser burgundischen Eleganz kommt kein Verwandter aus anderen Gebieten nahe, mag es ein kalifornischer Kistler sein, der Finesse von Wetshof aus Südafrika, ein Gaja, Tatschler von Kollwentz, die Morillon genannten Zieregg von Tement oder Obegg von Polz. Getrunken habe ich ihn am vorletzten Samstag mit meiner lieben, über die Kombination schlichtweg begeisterten Frau zu einem großzügig mit ein gelegter schwarzer Trüffel angereichertem Omelette aus Landeiern der Freilandzucht von Maria Haberl in St. Michael.

Meursault poruzot(Bezugsquelle: Alpina Bovensiepen, Buchloe, www.alpinawein.de; die Magnum kostet um die 85 Euro)

Remy Ehret führt das kleine Weingut mit dem malerischen Kellergewölbe. Es werden pro Jahr maximal um die 20 000 Flaschen gefüllt. Ehret setzt auf klassischen Stil, sein Meursault wird traditionell gekeltert. Der 2005er läßt sich jetzt schon mit Genuß trinken, wird aber noch viele Jahre lang Freude bereiten – die Langlebigkeit großer Meursaults wird notorisch unterschätzt. (Ich habe kürzlich einen 1976er Meursault von Francois Jobard getrunken – und war begeistert!)

Es muß nicht langmächtig belegt werden, daß der Chardonnay zu den großen Rebsorten zählt. Einerseits! Andererseits ist der Chardonnay längst zum Weltbürger geworden und überall zu finden, wo Wein angebaut wird. Das führte teils zu einer Ermüdung bei Weinfreunden, gipfelnd im amerikanischen ABC-Zitat: anything but Chardonnay!

Ich respektiere gewisse Chardonnays aus Übersee wie speziell Kalifornien, zumal die in der Regel nicht mehr so überholzt und butterig angelegt sind wie noch vor etlichen Jahren. Auch in italienischen, spanischen und sogar burgenländischen Gärten wachsen respektable Chardonnays. Aber meine wahre Liebe gilt einzig den Chardonnays aus Burgund. Da gibt es den mineralisch-kühlen Chablis, sofern der nicht in neuem Holz, sondern in Stahl oder großem Holzfaß ausgebaut worden ist. Fruchtige Noblesse bietet der Corton-Charlemagne. Über ungemein würzige Kraft verfügen die Montrachets: wahre Fruchtmonster, pompös, suggestiv, sozusagen weiße Rotweine! An Finesse und schlanker Eleganz nicht zu überbieten sind freilich die besten Meursaults!

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