Vega Sicilia Valbuena 3 ano 1982, Ribera del Duero

Vega Sicilia Valbuena 3 ano 1982, Ribera del Duero

Die Erwartung war nicht gewaltig, aber angemessen groß. Denn die Flasche, die ich in letzter Zeit bereits mehrmals in der Hand hatte und doch nicht entkorkte, ist in gewisser Weise ein Dokument: Das Jahr 1982 ist eine Zäsur in der Geschichte dieses traditionsreichen nordspanischen Weinguts, das vor gut hundert Jahren erstmals ein „Vega Sicilia“ auf die Flaschen pappte. Aber so richtig zu Ruhm kamen Gut und Weine eben ab 1982, als die kastilische Unternehmersfamilie Alvarez das Gut kaufte, besser: im letzten Moment den Getränkekonzernen Martini & Rossi sowie Nestlé weggeschnappt hatte und – nach reichlicher Investition – für eine neue Blüte sorgte.

Vega Sicilia_1Damals sind drei Weintypen erzeugt worden: der in besonders guten Jahrgängen gefüllte „Unico“, bis heute das Flaggschiff des Hauses, ergänzt um zwei sozusagen kleinere Brüder namens Valbuena 5 sowie Valbuena 3 – beide sind Jahrgangsweine von unterschiedlich langer Kellerreife. Letzterer wurde Anfang der 1990er-Jahre eingestellt. Neu hinzu kam der Unico Reserva Especial, eine Kombination mehrerer bester Jahrgänge. Diese Supercuvée ist teurer, was aber nicht heißt, daß der Wein auch um so vieles oder überhaupt vollautomatisch besser ist als ein Unico. Für alle Typen gilt, daß es Weine sehr individuellen Stils sind, gewonnen aus mehreren Rebsorten à la Tinto Fino (andernorts Tempranillo genannt) im Verein mit Bordelaiser Klassikern wie Cabernet Sauvignon und Merlot.

Nun zum 1982er Valbuena, der, um das Fazit vorweg zu nehmen, schlicht entzückte ob seiner nach wie vor präsenten Fruchtigkeit – 1982 war ein sehr gutes Jahr mit Weinen von Kraft und Finesse, und die Flasche lag seit cirka 25 Jahren unangetastet in meinem Kellergewölbe. Der Korken bröckelte leicht, blieb jedoch weitgehend intakt. Nach einem Probeschluck entschied ich mich fürs Dekantieren, und siehe da: Der anfänglich etwas ätherisch sich gebende Wein blühte in der Karaffe und danach im Glas zunehmend auf, er wurde klarer in seinem Ausdruck, fester in der Struktur, vielschichtiger in der Aromatik und, so schien mir, sogar tiefer in der Farbe.

In dunklem, seidig glänzenden Granatrot floß der Wein aus der Flasche und verströmte im Nu ein Bukett, das erst von Schattenmorellen dominiert war, sich jedoch bald auffächerte und einen komplexen Duftstrauß aus Pflaume, Preiselbeere und Veilchen ergab, ergänzt durch Leder, ein wenig süße Vanille nebst Karamell, Bitterschokolade und einen Hauch von Minze. Die Nase kringelte sich vor Vergnügen. Auch geschmacklich überzeugte der 34 Jahre alte Wein durch dichte Frucht, weiche Tannine, eine samtige Textur und einen kraftvollen, sich lange hinziehenden Abgang (www.vega-sicila.com).

Vega Sicilia_Weinkeller

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