2008 Château de Pez, Cru Bourgeois, St. Estephe

2008 Château de Pez, Cru Bourgeois, St. Estephe

Dunkelrot und mit einem jugendliche Frische signalisierenden Lilaschimmer fließt der Wein ins Glas, aus dem im Nu ein dicht geflochtenes Bukett dringt. Es duftet nach Sauerkirsche und Beeren (Brombeere, schwarze Johannisbeere, etwas Preiselbeere), flankiert von dunklen Tönen à la angerösteter Pflaume nebst Vanille sowie leicht karamellisierten Haselnüssen und einem aparten Hauch von Minze. Auch eine subtile Süße schwingt mit. Der Körper ist komplex gebaut, bestens ausbalanciert und gut bestückt mit Frucht sowie raffiniert wirkenden Einsprengseln von Nougat und gewürzigen Noten à la Wacholder. Im anhaltenden Nachklang ist auch etwas Bitterschokolade auszumachen.

Chateau de_Pez_2008Die Tannine sind von weicher Art, geschmeidig und samten. Der Wein ist mittelgewichtig, er besitzt eine feste Muskulatur und ist von ernsthaftem Charakter, kurzum: ein echter St. Estephe einer neuen Generation. Neue Generation bedeutet, daß der alte, eher robust als elegant zu nennende Weinstil zugunsten von mehr Frucht, Geschmeidigkeit und Finesse geändert worden ist. Aber auch der neue de Pez verfügt über klassische St. Estephe-Merkmale in Form von Kraft, Geradlinigkeit und Ernst. Der 2008er hat seinen Höhepunkt erreicht - ein Niveau, auf dem er sich noch etliche Jahre halten und als Partner zu Grilladen, Rehragout, Lammrücken, Bergkäse und Entenbrust bewähren wird. Der Wein macht Freude und gibt einem das beruhigende Gefühl, für knapp über 30 Euro pro Bouteille nicht ausgeraubt zu werden.

Die stilistische Zäsur hat im Jahre 1995 stattgefunden, als Jean-Claude Rouzaud, der Eigner von Champagne Louis Roederer, mit seinem scharfen Blick für Güte das Château übernahm, erhebliche Investitionen tätigte und das Gut für eine gedeihliche Zukunft aufstellte. Nun ist es nicht so, als hätte das Cru bourgeois-Gut keine positive Vergangenheit. Château de Pez galt als eines der besten Bürgergewächse, es war bekannt und geachtet für die zuverlässige Güte seiner Weine. Die waren nie Schmeichler, sondern kraftvoll, ausgestattet mit reichlich Tannin, in ihrer Jugend auch streng bis hart, durch und durch von traditionellem St. Estephe-Adel. Aber in den Jahren vor der Übernahme durch Roederer war das Weingut, das Robert Dousson im Namen der Familie 40 Jahre lang geführt hatte, gnädig gesagt, nicht mehr in bester Verfassung. Mittlerweile bewerten Kenner den Wein von de Pez gleichrangig einem 5. Cru Classé der 1855er-Klassifikation.

Die Cuvée besteht in der Hauptsache aus Cabernet Sauvignon und Merlot nebst etwas Cabernet Franc und Petit Verdot. Der Ausbau der Weine erfolgte zu 40 Prozent in neuem Holz, weitere 40 Prozent der Fässer waren ein Jahr und 20 Prozent zwei Jahre alt; auf Filterung wird verzichtet. Im Schnitt produziert das Gut um die 130 000 Flaschen pro Jahrgang. (www.chateaudepez.com).

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